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Wenn plötzlich die Augen Pause haben – die 1ABB entdeckt die Welt mit vier Sinnen

vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Wie findet man sein Essen, wenn man die eigene Hand vor Augen nicht sieht? Erkennt man einen Gegenstand tatsächlich so leicht, wenn man ihn nur ertasten darf? Und wie viel Vertrauen braucht es, sich in völliger Dunkelheit zurechtzufinden? Antworten auf diese Fragen bekam die 1ABB des Aufbaulehrgangs der Bundeshandelsschule Stockerau bei einem ganz besonderen gemeinsamen Ausflug zum Event „Vier Sinne“.


Für die SchülerInnen, die erst vor Kurzem gemeinsam in den Aufbaulehrgang gestartet sind, stand dabei nicht nur ein außergewöhnliches Erlebnis auf dem Programm. Der Ausflug sollte vor allem eines fördern: Zusammenhalt, Vertrauen und das gegenseitige Kennenlernen innerhalb der neu entstandenen Klassengemeinschaft. Und dafür wurde es zunächst einmal dunkel. Richtig dunkel. Wo normalerweise unsere Augen ganz selbstverständlich die Führung übernehmen, mussten plötzlich die anderen Sinne ran. Hören, Tasten, Riechen und Schmecken bekamen ihren großen Auftritt und zeigten ziemlich schnell, dass ein vermeintlich einfacher Alltag ohne Sehsinn zu einer völlig neuen Erfahrung werden kann.


Besonders spannend wurde es bei verschiedenen Spielen und Aufgaben im Dunkeln. Gegenstände mussten ertastet und erkannt werden, was sich ohne den gewohnten Kontrollblick mitunter deutlich schwieriger gestaltete als erwartet. Da wurde konzentriert gefühlt, geraten, gelacht und vermutlich so mancher völlig alltägliche Gegenstand plötzlich zum großen Mysterium. Auch kulinarisch wartete eine besondere Herausforderung: Ein kleines Zwei-Gänge-Menü in völliger Dunkelheit machte aus dem gemeinsamen Essen ein Erlebnis für sich. Ohne zu sehen, was auf dem Teller liegt, schmeckt, riecht und fühlt man plötzlich viel bewusster. Gleichzeitig durfte man feststellen: Besteck, Teller und Dunkelheit sind eine Kombination, die durchaus Teamgeist und gelegentlich auch ein wenig Humor verlangt. Was zunächst spielerisch begann, eröffnete jedoch auch einen eindrucksvollen Perspektivenwechsel. Geleitet und begleitet wurde der Workshop von zwei Studentinnen mit Sehbehinderung, die den Jugendlichen auf authentische und offene Weise Einblicke in ihre Lebenswelt ermöglichten.


Im Anschluss hatten die SchülerInnen ausgiebig Gelegenheit, Fragen zu stellen. Dabei entstand ein offener Austausch über das Leben mit einer Sehbehinderung, über Herausforderungen im Alltag, Selbstständigkeit, Hilfsmittel und viele Situationen, über die man sich als sehender Mensch vermutlich nur selten Gedanken macht. So wurde aus einem Klassenausflug weit mehr als ein gemeinsamer Abend außerhalb des Schulgebäudes. Die 1ABB musste sich auf Unbekanntes einlassen, einander vertrauen, gemeinsam lachen und für einige Zeit die gewohnte Perspektive verlassen. Gerade für eine Klasse, die am Beginn eines neuen gemeinsamen Weges steht, eine Erfahrung, die verbindet, denn manchmal muss es erst ganz dunkel werden, damit man manches ein bisschen klarer sieht.



 
 
 

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